Mama

Schwedenurlaub im Schnelldurchlauf

Schweden. Ich liebe den Norden. Mit meinem Namen haben meine Eltern mir das ja auch irgendwie in die Wiege gelegt. Es sollte auf die Höhe von Oskarshamn mitten in den Wald zu einer Freundin gehen. Alles klang traumhaft, allerdings gab es da eine Hürde namens Ostsee.

Leinen los. Oder doch nicht?

Wenn wir schon in der Nähe des Hafens wohnen, dann macht es Sinn mit der Fähre zu fahren. Rostock-Trelleborg in 6 Stunden.

Allerdings habe ich mir vorher ganz schön in die Hosen gemacht, denn ich allein auf eine Fähre auffahren? Das Auto parken und vorallem: wiederfinden?! Und dann auch wieder runter? Und das Auto auf der Fähre be- und entladen?

Ich kenn mich selber ziemlich gut und wusste, dass das eine Aufgabe für mich wird. Es liegt nicht an meinen Fahrkünsten, eher daran, dass ich die Winkanweisungen schlichtweg selten verstehe und mein Auto oft erst im zweiten Anlauf wieder finde. Es hat einen Grund, warum das Auto orange ist und ich immer an der vorderen Grenze des Parkplatzes stehe und nicht nach hinten durch fahre.
 Aber die Niederlage wollte ich mir nicht verbuchen, nicht Schuld sein, dass mein Sohn aufgrund meiner Angst, eine so tolle Erfahrung verpasste.

In einem Anflug von Mut buchte ich eine 7.00-13.45 Uhr Hinfahrt mit der Huckleberry Finn und eine 15.00-21.00 Uhr Rückfahrt auf der Tom Sawyer.

Mein Auto packte ich schon einen Tag zuvor und so, dass ich schnell Be- und Entladen konnte auf der Fähre. Zum Beispiel packte ich 2 Kisten mit Naschkram, damit eine im Auto verbleiben konnte und den Buggy ganz oben in den Kofferraum, sodass ich ihn rausnehmen, alles reinpacken und los schieben konnte.
Die Schildkröte durfte vorne sitzen, damit ich
a) Dinge auf der Rücksitzbank lagern konnte
b) ihn im Blick hatte und
c) mich nicht so allein fühlte

Unser Wecker klingelte kurz nach 5.00 Uhr und die Laune beim Sohnemann war schlecht, bis er sah, dass er vorne sitzen durfte und so fuhren wir mit dem Sonnenaufgang zum Schiff. Aber Moment mal, da war ja kein Schiff?!
Ich hatte uns doch online eingecheckt und da stand, dass da ein Schiff sein würde?! Ich bin allen Schildern gefolgt, hab den Barcode gescannt, meinen Boardingpass bekommen und auf die entsprechende Spur gefahren, die dort auf meinem Pass stand aber wo verdammt noch mal ist dieses Schiff?! Ich zweifelte ernsthaft an mir selber, dass ich diesen großen Pott übersah, denn in 1h sollte es doch los gehen?! Ich ließ mein Fenster runter und lauschte den anderen Wartenden, die noch entspannt waren. Als 10 min später noch immer keine Fähre in Sicht war, beschloss ich, eine Toilette zu suchen und mein Auto einfach stehen zu lassen. Vorbei an Kaffeetrinkenden LKW Fahrern stand ich an der der Hafenkante vor dem kleinen Toilettenhaus und stellte fest, dass da echt noch kein Schiff war.
Zurück im Auto kam dann endlich unser Urlaubsdampfer in Sicht, legte an und binnen einer halben Stunde war es entladen und wir konnten auffahren. Ich fuhr blind meinem Vordermann nach, stets in der Hoffnung er möge auf keiner Rampe halten und ich am „Berg“ anfahren. Wir konnten direkt vor dem Ausgang zur Info halten und ich war mich sicher, dass wenn ich nicht auf den Kopf falle, mein Auto finden würde. Huiii, das Schlimmste war geschafft.

Ahoi und Hej Hej

Natürlich ging es für den Zwerg und mich erstmal auf das Sonnendeck, wo wir uns das Auslaufen anschauten. Als es uns jedoch zu kühl wurde, suchten wir uns einen anderen Ort. Auf der Tafel im Fahrstuhl sah ich ein Symbol mit einer Person in Kreisen und ich hoffte, dass kein Zeichen für den Notfall, sondern ein Bällebad sein sollte. Dort angelangt waren es mir eindeutig  zu viele Eltern und wie verkrochen uns aufs Klo für eine neue Büchse fürs Kind und einem dicken Schmatzer für Mama.

Da ich mit uns auch nicht wusste wo hin, biss ich in den sauren Apfel und es ging ab ins Bällebad mit Bobby Car und allerlei Kram, der meinem Wegbegleiter Freude machte. Er spielte vergnügt und erst zum Mittag (zu welchem es natürlich Köttbullar gab) war eine Pause seines Bewegungsdrangs in Sicht. Als der Räuber schlief, kuschelte ich mich in die Lounge und behielt die Tür zu den Autos fest im Blick und war so ziemlich die erste, die rausstürmte und das Auto wieder belud. Es warteten 4h Autofahrt auf uns, bis wir uns in Kalmar mit meiner Freundin trafen.

Nach 2h die erste Pause mitten im Nichts und was traf ich an? Einen Bus voller Sachsen. Mein Vater hatte immer die Theorie, dass egal, wo man ist, man Sachsen trifft.

Als die erste Müdigkeit überwunden war, ging die Fahrt trotz dauerhaftem Wechsel zwischen 90 und 110 km/h wie von selbst und nach dem Abendbrot bei IKEA in Kalmar ging es zu unserem Feriendomizil.

Angekommen im Paradies

Ich verrate den genauen Ort nicht, denn er ist zu perfekt, um ihn mit der Öffentlichkeit zu teilen. Es sei nur so viel gesagt: Bis Oskarshamn war es nicht allzuweit.

Wir fuhren durch Wald und Wiesen und dann lag es dort vor mir: Das Paradies und ich konnte nicht anders als weinen. Vor Entzückung, vor Erleichterung und vor Stolz. Ich hatte es geschafft. Das Zimmer gemütlich, ein See direkt vor der Nase und keine Menschenseele bis auf die Familie meiner Freundin.

Kein Plan ist der beste Plan

Der Dienstag war zum Ankommen gedacht. Baden, Spielen, Essen, Schlafen.

Der Mittwoch war Shoppingtag und ich schlug kräftig zu. Ich kaufte neutrale, für mich typisch schwedische Sachen in 86, die meiner noch aber nicht lange tragen kann und die dann eben vererbt werden. So mag ich am liebsten Kindersachen kaufen.

Der Donnerstag stand ganz im Zeichen von Pipi und Michel, denn es ging in Astrid Lindgrens Värlt nach Vimmerby. Für mich eine gute Ergänzung, denn ich hatte mir in Vimmerby nur das originale Zuhause angeschaut und den Park ausgelassen. Es ist schön gemacht, mit Minihäusern, gutem Essen und Bereichen, die sich um die jeweilige Geschichte drehen, wie Ronja Räubertochter. Und in jedem Bereich, gab es kurze Theaterstücke. Außerhalb der Vorführungen, waren die Figuren anzutreffen und radelten beispielsweise durch den Park. Mein 1jähriger war jedoch zu klein, um all das zu verstehen und so ließen wir die Vorführungen aus und picknickten auf einer der vielen Grünfläche, während der Pippifan in unserer Reisegruppe mit ihren 3 Jahren keine Aufführung verpasste.

Der Freitag war dann eher in meinem Sinn und dem meines kleinen Tierfans. Es ging nämlich nach Malilla in den Elchpark. Hier waren 3 große Gehege mit Elchen und einem 1km Rundweg und wir kamen perfekt zur Fütterungszeit. Mit Zweigen bewaffnet ging es zu den sanften Riesen, besonders der Kleinste in unserer Runde war begeistert und ich war fasziniert. Die Gehege waren so groß, dass sie aus dem Wald kamen und erst ein kleiner Fleck waren und immer riesiger wurden.

Und dann war es vorbei

Und viel zu schnell war es dann vorbei und es sollte wieder nach Hause gehen. Nachdem wir Freitag alles nach dem Baden im Auto hatten, schlummerten wir in unsere letzte Nacht und fuhren wehmütig ins Auto.
Diesmal fuhren wir über Växjö und machten Pause am allerersten IKEA in Älmhult. Die Route ist überseht mit 90ger Zonen, sodass sich das Ganze mächtig zog.
Aufgeregt kam ich in Trelleborg an, denn mein Online Check-In ging diesmal nicht und so wurde mir immer angezeigt, dass meine Daten nicht da wären. Am Terminal stand dann, dass meine Daten von einer anderen Person bearbeitet. PANIK!!!!!!! Zum Glück war da eine sehr nette Frau am Schalter, die mich eincheckte. Da ich diesmal einfach kurz vor Check-In da war, konnte ich ziemlich direkt aufs Schiff und super parken. Diesmal allerdings auf Deck 3, also nicht direkt an der Info. Wieder schauten wir uns das Auslaufen an, wo sich der kleine Spinne auf dem Rücken übers Deck schob und direkt in einen Ölfleck. Als wir den Hafen mit Verspätung verließen, steckte ich ihn eine neue Buchse und ohne Umwege ins Bällebad. Dort kamen wir die nächsten 6h auch nicht mehr raus. Und als Warnemünde vor den Fenstern erschien, sprangen wir in unser Auto. Ein bisschen gruselig war es, denn wir waren die ersten auf dem Autodeck und als ich einen TT-Line Mitarbeiter sah, hab ich mich vorsichtshalber versteckt. Kurz vor 21.00 Uhr waren wir schon vom Schiff und eine halbe Stunde später im verdienten Bett.

Was eine Reise!!!
Wir haben so viele Eindrücke mitgebracht, Gedanken und Ideen. Diese Reise wird sich wohl noch ab und an wieder finden bei Miss Wunder.
Würde all das schon hier stehen, würdest du wohl die nächsten 2 Stunden mit Lesen verbringen.

Serienjunki, Buchverrückt, Mama seit 2018

5 Kommentare

  1. Hallo Anika,

    ich war letzten und vorletzten Sommer allein mit Hund in Schweden und meine größte Sorge war auch die Fähre, da ich noch nie mit sowas gefahren bin und keine Ahnung von dem Prozedere im Hafen hatte. Mein Auto nicht zu finden, gehörte tatsächlich nicht zu meinen Sorgen und natürlich habe ich dann auch mal prompt mein Auto nicht gefunden. Aber zumindest wir wurden jeweils so früh zu den Autos gelassen, dass man eeeewig Zeit hatte und gefühlt 30min im Auto saß bevor man endlich runter fahren konnte, war also genug Zeit zum Suchen.

    Am Ende fand ich aber, habe ich mir um das Fähre fahren viel mehr Sorgen gemacht als nötig gewesen wäre und Schweden ist so wunderschön und entspannend, dass man direkt wenige Minuten nach der Ankunft allen Stress vergessen hat, zumindest geht es mir so.

    Im letzten Sommer sind wir sogar noch mehr Fähre gefahren, nämlich zusätzlich nach Gotland rüber. (Start der Fähre übrigens in Oskarshamn). Ich war mir erst nicht sicher, ob es sich lohnen würde, aber das tat es. Gotland ist toll, mit Hund, aber ganz sicher auch mit Kind.

    Ich hoffe, ihr traut euch noch ganz viele tolle neue Dinge zu, frau schafft nämlich viel mehr, als man(n) und sie selbst denkt!

    Liebe Grüße
    Angelina

  2. Anika - Miss Wunder Reply

    Hej Hej Angelina,

    ja, man macht sich bei sowas ja immer selber ganz verrrückt und am Ende wird man dort so gut durchgeleitet.

    Nach Gotland möchte ich auch mal übersetzen. Vielleicht nächstes Jahr, dann hat das MiniMe auch mehr davon!

    Schweden mit Hund ist bestimmt toll, weil es so viel Natur gibt!

  3. Hej Anika,

    auf Gotland, ganz in der Nähe von Visby (so eine schnuckelige Stadt) gibt es einen Themenpark für Kinder „Kneippbyn“, da steht unter anderem die Villa Kunterbunt von Pippi Langstrumpf. Es gibt auch ein Erlebnisbad, ich weiß nicht, ob sowas schon was ist für deinen Kleinen. Alle Kinder und Familien, die wir da gesehen haben, hatten auf jeden Fall großen Spaß.

    Die Fähre nach Gotland rüber fand ich übrigens noch komfortabler als die zwischen Deutschland und Schweden, wobei ich mich eher über den ruhigen, recht weitläufigen Haustierbereich (inklusive Steckdosen) gefreut habe, wie da das Angebot für Kinder war, kann ich deswegen leider gar nicht sagen.

    • Anika - Miss Wunder Reply

      Hey Angelina,

      das klingt soooo verlockend. Am liebsten würde ich direkt wieder los und alles erkunden.
      Also Pippisachen mache ich mit dem Zwerg erst wieder, wenn er weiß, wer das ist. 😉

      Ich finde Schweden sowieso Tier- und Kinderlieber.

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