Ich wollte gerne Stillen. Ich stellte mir das sehr praktisch vor und am Anfang sah es auch so aus, als wäre Stillen genau das Richtige für Peanut und mich (Spoiler: Ist es auch immer noch, aber es wäre fast anders ausgegangen).

Peanut hat fleißig zugenommen und obwohl es ziemlich aufwendig war beim Stillen, hat es irgendwie hingehauen. Teilweise habe ich zwischen 3 und 4 Stunden nur dagesessen und gestillt. Wir hatten ein Stillhütchen im Einsatz, weil es anders nicht ging, Nina ist immer wieder wegpennt – aber irgendwie hat sie genug zu Essen bekommen.

Bis zur U4. Ca. eine Woche vorher fiel mir auf, dass sie irgendwie nicht mehr zunimmt. Ich stellte mich jeden Tag mit ihr auf die Waage. Das Stillen dauerte noch länger und eigentlich, ja eigentlich hätte sie zunehmen müssen. Es sei denn, ich hätte nicht mehr genug Milch.

Da hätte ich es merken müssen

Ich las mich durch unterschiedliche Foren & Website (was man ja eigentlich nicht soll, aber…) und ahnte: Mit Ninas Zunge ist etwas nicht in Ordnung. Denn im Gegensatz zu anderen Kindern war Ninas Zunge nicht zu sehen. Außerdem hätte es nach so langer Zeit längst so sein müssen, dass Nina ohne Stillhütchen trinken kann. Aber das war überhaupt nicht möglich.

Ich beschloss also, das bei der U-Untersuchung anzusprechen. Die Ärztin meinte erst einmal, dass das eigentlich überhaupt nicht sein kann, man hätte das ja bemerkt und sowieso ist das ja total selten (stimmt nicht!). Sie schaute aber in Ninas Mund und aha – bemerkte, dass das Zungenbändchen wohl doch, wie sie sagte: „…etwas verkürzt“ sei. Wir bekamen den Hinweis, dass Nina viel zu leicht ist und ich abpumpen soll, um zu schauen, wie viel Milch ich habe. Außerdem eine Überweisung, um Ninas Zungenbändchen abzuklären.

Die Geschichte mit der Milchpumpe war ein Drama für sich, aber darauf gehe ich jetzt nicht näher ein. Fakt ist: Ich kam damit nicht zurecht und wir machten einen Termin für Nina. Die HNO-Ambulanz stellte fest: „Damit (mit der Zunge) wird das arme Mädchen nie richtig Eis schlecken können! Außerdem wird sie mit dem Sprechen Probleme bekommen, wenn wir uns darum nicht kümmern.“

Nun war das Ganze vom Timing echt bescheiden. Corona stand vor der Tür, die Kliniken machten sich auf den Ernstfall gefasst.

Dennoch bekamen wir nach einigem Hin- und Her den gewünschten OP-Termin und ich durfte mit Nina in einem fast menschenleeren Krankenhaus auf ihren Eingriff warten. Der Eingriff selbst dauerte 15 Minuten. Nur die Vorbereitung war furchtbar. Ausziehen, Kanüle legen, keine Möglichkeit ihr etwas zu erklären, nur da sein können. Dennis konnte auch nicht dabei sein – wegen Corona natürlich. Nina war der einzige OP Patient an dem Tag, alle anderen waren abgesagt wenn nicht lebensbedrohlich.

Der Tag der OP

Zum Glück hat Nina die Narkose super überstanden. Und das Beste und der Beweis dafür, dass ich es mir nicht eingebildet hatte: Direkt nach dem Aufwachen konnte ich sie anlegen – ohne Stillhütchen! Das Stillen ist seitdem so viel besser geworden. Ich hatte direkt in der Woche einen richtigen Milcheinschuss und seitdem ist alles gut. Zugenommen hat sie auch, das war es wert.

Das Beste aber ist: Ich las, dass Hebammen damals das Zungenbändchen direkt nach der Geburt durchtrennten – mit einem scharfen Daumennagel. Da das aus hygienischen Gesichtspunkten aber wohl nicht so gut war, hat man die Praktik irgendwann sein lassen – und nun wird das Zungenbändchen quasi „vernachlässigt“.

Sprich: Wenn das Kind nicht genug zunimmt, Stillhütchen benötigt werden etc., gibt man lieber der Mutter die Schuld (Du hast keine Milch, also braucht das Kind die Flasche), statt zu schauen, ob es vielleicht andere Probleme gibt.

Gedeihstörung? So ein Unsinn.

In unserem Fall bin ich sehr froh, dass ich da auf mein Bauchgefühl gehört habe.

Wir hatten 2 Wochen nach dem Eingriff einen weiteren Termin beim Arzt, bei dem es um die Gewichtskontrolle ging. Diagnose: Gedeihstörung. Was für ein UNSINN! Natürlich konnte Nina in 1 Woche nach dem Eingriff auf keinen Fall das verlorene Kilo aufholen. Wie soll das gehen?

Ich sollte wieder abpumpen. Und zufüttern. Aber dieses Mal kontaktierte ich meine Hebamme und die sagte: Alles Quatsch. Lass dich nicht verrückt machen und beruhige dich. Und genau das habe ich getan.

Nina ist immer noch im unteren Perzentilen-Bereich und dennoch: Sie bekommt ausreichend zu essen. Sie weint nicht vor Hunger, außerdem bekommt sie mittlerweile auch noch Beikost. Nicht jedes Kind wird ein kleiner Buddha und Nina ist nun einmal lang und schmal – sie holt sich aber, was sie braucht!

Was mich in dem ganzen Dilemma wirklich massiv gestört hat, war der Umgang der Kinderärztinnen mit uns. Erst das nicht glauben wollen, statt es erst einmal zu prüfen – so im Sinne von: Die doofen Erstlings-Eltern wieder…

Sie zieht sich mittlerweile selbst hoch…

Dann die Geschichte mit der Milchpumpe, die ich selber bezahlen sollte, da man „für sowas kein Rezept ausstellen würde“ (mittlerweile weiß ich, dass ich darauf hätte bestehen müssen!), und dann die Diagnose Gedeihstörung, obwohl Nina nachweislich den Eingriff hatte und in einer Woche nunmal nichts aufholen konnte.

In diesem Zuge haben wir übrigens auch Pre-Nahrung angeboten. Es ist nicht so, dass ich Nina hungern lassen wollte. Aber weder das noch die abgepumpte Muttermilch aus der Flasche wollte sie haben.

Guten Appetit!

Einen Arztwechsel können wir nicht machen. Der, zu dem ich gern würde, nimmt aktuell nur Privatpatienten an und der andere ist über eine Dreiviertel Stunde Fahrt hin.

Aber: Ich werde sehr vorsichtig mit Diagnosen sein und diese eher noch ein zweites Mal abklären lassen. Vertrauen in diese beiden Kinderärzte habe ich jedenfalls nicht.

Autor

Kaffeesüchtig, Hundemama und Peanut-Mama. Alles andere als spießig, ständig Fernweh-geplagt und mit viel Konfetti im Kopf.

1 Kommentar

  1. Was man bei und mit Ärzten inzwischen erlebt ist mehr als haarsträubend… bevor richtig geschaut wird, wird eine „einfachere“ Diagnose gestellt…traurig. Da muss man echt beharrlich sein und sich selbst Wissen aneignen. Nina sieht aber auch wirklich niedlich aus. Und als Hunde“mama“ und ehemalige „Moe-Folgende“ freue ich mich so sehr für euch, dass Maggie nun angekommen ist und täglich mit ihrem Wesen für Freude sorgt:-)

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